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Waldrunde von Pritzerbe nach Seelensdorf

·523 Wörter·3 min
Wanderung Natur

Ein Dorf im Wald

Länge: 14,4 km (3-4h)
Schwierigkeit: sandige Waldwege, aber keine Steigungen
GPX-File, Tour bei Komoot

Für diese Wanderung habe ich mir ein besonders schönes Waldstück ausgesucht. Ich starte am Bahnhof Pritzerbe und wandere zunächst an einigen Ausläufern des Ortes und an einem Bauernhof entlang. Danach kommt eine Kläranlage, der Wind steht hier gnädig und ich kann das Gelände ohne Geruchsbelästigung passieren. Kurz bevor es in den Wald geht, versetzt mir die Tierwelt noch einen kleinen Adrenalinstoß: ein Fasan fliegt direkt neben mir hoch und ich erschrecke mich - mal wieder.

Aber nun bin ich im Wald. Es ist April und das Unterholz ist noch nicht allzu dicht. Dadurch wirkt der Wald wie eine riesige Halle mit grünem Blätterdach. Das Ganz hat eine fast schon sakrale Anmutung. Und das kommt nicht von ungefähr, gehört der Seelensdorfer Forst doch zum Landbesitz der Kirche.

Der Wald im April
Der Wald im April

Es ist still, kaum ein Vogel zwitschert, irgendwie ist heute wohl kein guter Tag zum singen. Gedankenverloren stromere ich die Waldwege entlang. Dieser Landstrich ist seit vielen hundert Jahren besiedelt. Noch vor vielleicht einhundertfünfzig Jahren sahen außerhalb der Städte fast alle Wege so aus, wie der staubige Pfad, der sich vor mir durch den Wald windet. Die Wälder waren weit weniger kultiviert, die heute allgegenwärtigen Kiefernschonungen gab es nicht. Dafür allerlei Getier, vom Wildschwein bis zum Wolf. Man musste schon einiges an Mut haben, um in diesen Zeiten sein Dorf zu verlassen.

Eine Wegmarkierung mitten im Wald
Eine Wegmarkierung mitten im Wald

Aber es gibt noch heute Zeugnisse der vergangenen Zeit im Wald zu finden. Den Kilometerstein oben etwa, oder den “Fünfarmigen”, einen uralten Wegweiser, der die Richtungen zu den Dörfern in der Nähe zeigt.

Der Fünfarmige!
Der Fünfarmige!

Nach schier endlosem Gestampfe durch den Wald - die Natur zeigt sich gnädig und schickt weder Wildschweine noch Mücken - erreiche ich endlich den Ort Seelensdorf. Dieser Flecken mitten im Walde ist schon gut 600 Jahre alt. Zeitweilig verlassen und wüst gefallen, wurde er im 16. Jhd. als Vorwerk neu errichtet. Heute dürften hier weniger als einhundert Menschen leben und wenn ich mir den einen Balken Empfangsstärke auf meinem Smartphone anschaue, weiß ich auch, warum. Wer hier lebt, möchte seine Ruhe haben. Ich gebe zu: ein verlockender Gedanke.

Die Glocke von Seelensdorf
Die Glocke von Seelensdorf

Direkt am Ortseingang treffe ich auf einen gigantischen Findling, der “dem treuen Freunde” gewidmet ist. Es handelt sich, der Gravor daneben zu urteilen, wo um einen Dackel oder ähnliches, ich kenne mich da nicht aus. Ansonsten gibt es nicht viel zu sehen, nach wenigen Schritten ist man schon wieder aus dem Ort raus. Bevor es wieder in den Wald geht, mache ich noch kurz Rast auf einer Bank am Feldrand.

Dann geht es wieder in den Wald. Glücklicherweise bin ich nur wenige Kilometer von Dickicht umgeben, dann lichtet sich die Gegend und ich wandere auf einem Landwirtschaftsweg weiter. Ich komme an einem Kuhstall vorbei, der leider im Luv liegt. Meine Güte, so ein Aroma. Gut, dass ich dort bald vorbei bin. Der restliche Weg ist unspektakulär, ein paar Häuschen im Wald, immer wieder Lichtungen und eine gut begehbare Straße. Nach guten drei Stunden bin ich wieder an meinem Auto.

Karte
Daten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Grafik: CC-BY-SA.